Freitag, 16. November 2012

Unglückliche Punktverluste führen zu Negativ-Serie

RW Wiesbaden ist die Leichtigkeit abhanden gekommen. Aus den letzten beiden Spielen gab es nur einen Punkt. Damit ist die Mannschaft jetzt schon seit drei Spielen in Folge ohne Sieg. Dennoch sieht in der Tabelle alles weiterhin gut aus.

Am vergangenen Freitag traten die rot-weißen auswärts beim FSV Nürnberg an. Dort gab es eine knappe 1:2 (0:1) Niederlage. Die Franken waren über 90 Minuten das leicht bessere Team. Mark White sowie Andrew Taylor trafen für die Hausherren. Für RWW netzte Rainer Hofer ein.

Dennoch hielten die Gäste in rot und weiß stets gut mit und machten vor allem mit tollem Kampfgeist und mannschaftlicher Geschlossenheit den Nürnbergern das Leben schwer. Trotzdem fiel vor der Pause das Führungstor für die Hausherren. RWW war auch im zweiten Spielabschnitt gut dabei. Einzig im Spiel nach vorne hatten sie zu wenig Durchsetzungsvermögen.

Doch auch Nürnberg erspielte sich kaum gute Chancen. Erst 13 Minuten vor Schluss schienen sie mit dem 2:0 alles klar gemacht zu haben. Im direkten Gegenzug war allerdings Rainer Hofer mit einem Flachschuss zum Anschlusstreffer erfolgreich. In der Schlussphase hatte Kapitän Emre Uluck noch die Chance auf das 2:2. Hier hielt allerdings Nürnbergs Torhüter seinen Kasten sauber und verhinderte den Ausgleich.

"Ich bin insgesamt mit unserer Leistung zu Frieden. Unser Spielmacher Sergio Acosta hat immer noch verletzt gefehlt. Dennoch haben wir vor allem kämpferisch ein gutes Spiel absolviert. Am Ende hätte sich keiner beschweren dürfen, wenn wir einen Punkt mitgenommen hätten. Es ist etwas ärgerlich, doch wir dürfen jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken", sagte Trainer und Manager Kevin_93 nach Spielende.

Torschütze Rainer Hofer sah das ähnlich: "Wir konnten heute spielerisch nicht mit Nürnberg mithalten. Das haben wir durch hohen läuferischen und kämpferischen Aufwand über 90 Minuten gut ausgeglichen. Nürnberg war etwas besser, aber dennoch wäre am Ende beinahe noch der Ausgleich gelungen. Jetzt haben wir eine kleine Negativserie, aber wir sind stark und selbstbewusst genug, um da wieder rauszukommen."

Genau das sollte schon drei Tage später im großen Hessenderby gegen den SB Kassel klappen. Den zu jeder Zeit überlegenen Wiesbadenern gelang aber einfach kein Tor. Am Ende hieß es folgerichtig 0:0. Daran konnte auch der wieder genesene Sergio Acosta nichts ändern.

Von Beginn an hatte RWW ein Übergewicht im Spiel. Im Spiel nach vorne taten sich die Gastgeber in einer insgesamt relativ schwachen Begegnung aber schwer. In der ersten Hälfte erspielten sie sich nur eine große Möglichkeit. Sergio Acosta bediente wie schon so oft Emre Uluck, doch der Schuss des Kapitäns war ein wenig zu hoch (34.).

Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel von RWW etwas besser. Nach einer Hofer-Ecke rauschte Arno Hinzmann heran, doch die Kasseler kratzten seinen Kopfball mit vereinten Kräften von der Linie (58.). Danach riss der spielerische Faden gegen harmlose Nordhessen wieder etwas. In der Schlussphase bekam Michael Dessel die letzte gute Chance. Maciej Jachenko flankte von Links, ein Verteidiger rutschte aus, doch der Torjäger setzte den Ball an den Pfosten (86.).


Die angesprochene Mannschaft war ebenfalls nicht zu Frieden. Kapitän Emre Uluck konterte jedoch die Kritik des Coaches: "Wir haben heute auf keinen Fall ein gutes Spiel gemacht. Wir hatten ein paar Möglichkeiten und hätten zu mindest einen dreckigen Sieg holen müssen. Das ist aber noch kein Grund, jetzt die Alarmstufe rot auszurufen. Wir stehen in der Tabelle gut da, demnächst steht das Pokal-Halbfinale an. Die Saison lief bisher verdammt gut. Was wir jetzt auf keinen Fall gebrauchen können, ist schlechte Stimmung. Wir werden diese Minikrise gemeinsam schon wieder überstehen."

Mit nun 30 Punkten aus 26 Spielen steht RWW inzwischen auf einem immer noch sehr guten zehnten Platz in der Tabelle. Auf den Überraschungs-Neunten Kölner SC sind es lediglich zwei Punkte Rückstand. Auf den ersten Abstiegsplatz hat man beruhigende zwölf Punkte Vorsprung.

Die nächste Aufgabe in der Liga ist jedoch alles andere als einfach. Heute Abend geht es zum Rekordpokalsieger 1.FC Stuttgart. RWW hat eine recht gute Bilanz gegen die Schwaben, in Stuttgart war es jedoch schon immer schwer zu gewinnen. Kevin_93 gab jedoch schon vor dem Spiel zu verstehen, worum es geht: "Wir haben in wenigen Tagen unser Pokal-Halbfinale. Wir haben genügend Vorsprung auf einen Abstiegsplatz in der Liga. Deshalb setzen wir jetzt mit voller Konzentration auf den Pokal. Das heißt nicht, dass wir uns von Stuttgart abschießen lassen wollen, aber unser Primärziel ist es auch nicht, hier jetzt drei Punkte mitzunehmen."

Dienstag, 6. November 2012

Traum von der Sensation platz ganz zum Schluss

RW Wiesbaden hat die zweite Niederlage hintereinander kassiert. Gegen den SV München sah es lange Zeit nach einer Überraschung aus. Am Ende gewannen die Münchner durch ein spätes Tor mit 1:0 (0:0).

Über 51.000 Zuschauer sahen dieses Spiel in der RWW-Arena. Wiesbaden ging mit Personalsorgen ins Spiel. Sergio Acosta fiel mit Problemen im Oberschenkel aus. Außerdem war Abdelzaher Uada bekanntlich gesperrt. Für ihn stand der Junge Ersatztorhüter Sulayman Zerka zwischen den Pfosten. Auch Kapitän Emre Uluck saß angeschlagen nur auf der Bank. RWW agierte in einem 4-4-2, die Gäste spielten in eine 5-3-2.

Von Beginn an war der Rekordmeister spielerisch überlegen. Sie agierten aus einer sicheren Verteidigung heraus und waren stets auch offensiv präsent. RWW werte sich so gut es ging, durch die Münchner Verteidigung war allerdings zunächst kein Durchkommen.

Die erste Großchance für die Spieler aus der Bayerischen Landeshauptstadt hatte Torjäger Adrian Nopper. Von Sven Dietsche bedient landete sein Schuss knapp neben dem linken Pfosten (14.). München ließ den Ball laufen. Wiesbaden reagierte mit viel Kampf und Einsatz.

Nach einer halben Stunde bekam Jiri Kirimanov eine gute Einschusschance. Dare Mangane fand ihn mit einer Hereingabe am zweiten Pfosten. Seine Direktabnahme landete jedoch genau in den Armen von Zerka (33.). Kurz vor der Pause hatte auch die Truppe in rot und weiß einen Treffer auf dem Fuß. Niels Thomasson fand nach einem schönen Solo über links Michael Dessel am Elfmeterpunkt. Nur Münchens Keeper Marek Kernozenko verhinderte beim Gewaltschuss des Schweizers mit einer tollen Parade schlimmeres (43.).

Nach dem Seitenwechsel hatte München weiter das Heft in der Hand. Die Dominanz war jedoch nicht unbedingt so erdrückend, wie sonst gewohnt. Wiesbadens hervorragender Einsatz und der engagierte Kampf machte dem Tabellenführer Probleme. Dennoch hatten sie die erste Möglichkeit im zweiten Spielabschnitt. Nach einem Dietsche-Freistoß tauchte plötzlich Riku Korhonen frei im Strafraum auf. Zerka griff am Ball vorbei,  sein Kopfball prallte an den Innenpfosten und sprang von dort aus zurück (56.).

Auf der Gegenseite hatte Maurice Bergougnoux die Führung plötzlich auf dem Schlappen. Nach einem verunglückten Schuss von Khalid Maduni von halblinker Position aus rund 20 Metern landete der Ball vor den Füßen des Stürmers. Der war aber zu Überrascht und hob den Ball aus sieben Metern unbedrängt drüber (66.). So erhöhte der Gast in  den letzten 20 Minuten noch einmal die Schlagzahl.

Nach Flanke von Robin Marvijk legte Korhonen den Ball per Kopf zurück. Sven Dietsche bekam das Leder, versuchte es mit einem Flachschuss von der 16er Linie, doch er traf nur das Außennetz (81.). In den letzten Minuten verbarikadierten die rot-weißen förmlich ihren Strafraum. Das war auch bitter nötig, denn die Münchner gaben noch einmal Vollgas. Immer wieder konnten jedoch die Angriffe des Favoriten mit vereinten Kräften gestoppt werden.

In der 90. Minute freundete man sich im Stadion gerade mit einer kleinen Sensation an. Da fiel doch noch das goldene Tor für den SV. Ein wunderschöner Seitenwechsel von Dietsche zog die Wiesbadener Abwehr auseinander, der nach vorne aufgerückte Maler hob den Ball zentral vors Tor und dort stand Riku Korhonen genau an der richtigen Stelle. Er ließ den Ball nur kurz abtropfen und versenkte ihn dann trocken im Gehäuse.

Nach dem Abpfiff fielen die Spieler in rot und weiß erschöpft aber auch völlig enttäuscht zu Boden. Wieder einmal hatte man dem SVM lange Paroli bieten können. Doch wieder einmal hatte es am Ende nicht gereicht. Ein Aussetzer, ein perfekter Spielzug und der Traum war vorbei.

Resigniert aber gewohnt analytisch zeigte sich Trainer und Manager Kevin_93 in den Katakomben nach Spielschluss: "Wir haben heute ersatzgeschwächt ein sehr gutes Spiel gemacht. Die Mannschaft hat so nie zusammengespielt, aber jeder einzelne hat seine Sache gut gemacht. Natürlich hätten wir schon früher in Rückstand geraten können. Aber auch wir hätten mit etwas Glück in Führung gehen können. München war das bessere Team und hat am Ende verdient gewonnen, aber die Art und Weise schockt einen dann doch. Wir alle haben in der 90. Minute nicht mehr mit einem Tor gerechnet. Deshalb tut es doppelt weh. Wir waren jetzt schon mehrmals nahe dran, München zu ärgern, aber nie hat es geklappt. Wir müssen jetzt schnell wieder Konzentration aufbauen, denn ich denke keiner hat Lust auf eine Negativserie."

Der heutige Abwehrchef Maciej Jachenko meinte: "Wir sind alle enttäuscht, das muss man einfach so sagen. Jeder träumt davon, München ein Bein zu stellen. Wir waren heute nah dran. Wir waren nicht die bessere Mannschaft. Ohne vier oder fünf Stammspieler haben wir aber mit beschränkten Mitteln bis zum Schluss mitgehalten. Am Ende hat München noch mal gezeigt, dass sie eine Spitzenmannschaft sind. Hut ab vor ihnen, so ein Tor muss man zu dieser Zeit des Spiels erst mal machen. Dennoch werden wir es in der Zukunft weiter versuchen. Irgendwann können wir sie in die Knie zwingen, davon bin ich überzeugt."

Mehr Stimmen waren zu diesem Zeitpunkt nicht zu bekommen. Die Mannschaft zog sich schnell zurück. In den nächsten Tagen soll das Geschehene der letzten zwei Spiele noch einmal intensiv aufgearbeitet werden. Am kommenden Freitag will man dann im nächsten Ligaspiel beim FSV Nürnberg versuchen, die kleine Niederlagen-Serie zu stoppen.

In der Tabelle hat sich jedoch weiter nichts zum negativen verändert. RWW steht immer noch auf dem tollen neunten Platz. Wenigstens in dieser Richtung kann man der Mannschaft zu diesem Zeitpunkt immer noch gratulieren.

Sonntag, 4. November 2012

Erfolgs-Serie reißt in Düsseldorf

RW Wiesbaden hat die insgesamt achte Saisonniederlage kassiert. In einem hochklassigen und ausgeglichenen Spiel verloren die rot-weißen unglücklich mit 1:2 (1:2) bei den Kickers aus Düsseldorf. Es ist die erste Niederlage seit nun mehr sechs Ligaspielen.

Die Wiesbadener gingen mit einem 3-5-2 System in das Spiel beim Abstiegskandidaten vom Rhein. Frei nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" versuchten es die Gastgeber in einem 4-3-3. Den besseren Start erwischten jedoch die Gäste. RWW probierte den Gegner schon früh in der eigenen Hälfte einzuschnüren.

Daraus ergab sich früh eine gute Gelegenheit. Nach einer Ecke von Sergio Acosta rutschte Torjäger Michael Dessel in den Ball, doch er hob die Kugel knapp über den Querbalken (6.). Nach etwa 15 Minuten konnte sich Düsseldorf aus der leichten Umklammerung befreien. Schon mit dem ersten guten Angriff fiel die Führung für das Heimteam. Adamo Juanez trieb den Ball durchs Mittelfeld, spielte zu Marco Castro, seine Flanke fand von links genau Hassan Sidan und der köpfte den Ball  ins lange Eck zum 1:0 (14.).

Nun war richtig Pfeffer in der Partie. Beide Teams machten mächtig Tempo und schenkten sich nichts. Es ging von Strafraum zu Strafraum. Die jeweilige Verteidigung verhinderte aber immer wieder schlimmeres.

Turbulent wurde es erst wieder kurz vor dem Seitenwechsel. Nach längerem Kurzpassspiel kam plötzlich der öffnende Pass von Sergio Acosta zum aufgerückten Arno Hinzmann. Seine direkte Weitergabe fand genau Michael Dessel. Der löste sich blitzschnell von seinem Bewacher und schoss trocken ein zum Ausgleich (43.).

Die Antwort der Kickers kam prompt und war äußerst schmerzhaft. RWW ließ ihnen zu viel Raum und schon schlugen sie eiskalt erneut zu. Dieses Mal bediente Johannes Acker Fabian Meyerhofer. Der spielte genau durch die Schnittstelle der Verteidigung zu Sidan. Der Neuzugang drehte sich blitzschnell um die eigene Achse und drosch das Leder zum 2:1 Pausenstand in die Maschen.

Nach Wideranpfiff machte Düsseldorf zunächst den stabileren und besseren Eindruck. So scheiterte Meyerhofer nach einem Steilpass vom Ex-Wiesbadener Vico Vidal an Abdelzaher Uada, der gerade noch seine Fingerspitzen an den Ball brachte (50.). Ein paar Minuten später hatte Vidal selbst nach einem Freistoß per Kopf die Chance auf das 3:1. Er zielte aber etwas zu ungenau (59.).

Doch auch rot-weiß zeigte sich engagiert und kam zu seinen Gelegenheiten. Michael Dessel stand bei seiner Direktabnahme nach einem schönen Anspiel von Emre Uluck lediglich der Pfosten im Weg (67.). Kurze Zeit Später fand Rainer Hofer mit einer Hereingabe nach schönem Sololauf Maurice Bergougnoux, doch der Kanadier köpfte genau auf Daniel Neuberg im Düsseldorfer Tor (75.). Das Spiel wurde in der Schlussphase zusehens hektischer. Eine unnötig hohe Härte kam nun mit hinzu.

Negativer Höhepunkt war eine Szene in der 83. Minute. Meyerhofer rauschte nach einem langen Ball in den Strafraum heran. Uada packte zu und sicherte das Spielgerät, doch Meyerhofer attackierte ihn hart im eigenen Fünfmeterraum. Uada verlor daraufhin völlig die Nerven. Die Folge war ein Revanche-Foul, eine Rudelbildung und ein Platzverweis für den Torhüter.

In der Schlussphase ging es noch einmal rauf und runter. Zu zehnt probierten die Hessen noch einmal wirklich alles. Die Nerven lagen aber zu sehr blank, um nun noch den Ausgleich zu schaffen. So verlor RWW knapp und nicht unbedingt verdient.

Das sah auch Trainer Kevin_93 so: "Ich bin enttäuscht, weil wir hier heute einen Punkt verdient gehabt hätten. Wir alle haben ein tolles Spiel gesehen. Wir haben von beginn an viel riskiert. Vielleicht war es ein Bisschen zu viel, denn wir mussten früh das 0:1 hinnehmen. Vor der Pause haben wir die richtige Antwort gefunden, handeln uns wie aber schon so oft im Gegenzug wieder ein dummes Tor ein. Die Mannschaft hat gut reagiert nach der Pause, aber Düsseldorf hatte dann mehr Glück als Verstand. Ein 2:2 wäre verdient gewesen, so aber verlieren wir das Spiel und unseren Torhüter. Das ist bitter, aber wir müssen damit umgehen."

Auch Torjäger Michael Dessel war enttäuscht: "Wir haben heute wieder alles gegeben und ein wirklich gutes Spiel gemacht. Düsseldorf war heute leider etwas effektiver. Beide Teams hatten ihre Drangphasen, aber  vor allem ich muss mir heute vorwerfen, nicht mehr als ein Tor erzielt zu haben. Am Ende sind uns ein wenig die Nerven durchgegangen. Das ist aber bei der aufgehitzten Stimmung im Stadion völlig verständlich. Wir müssen jetzt eine angemessene Reaktion zeigen."

Etwas positiver drückte sich Präsident Erik Hausschild aus: "Es ist natürlich schade, dass die Mannschaft am Ende so unglücklich verliert. Dennoch sind wir in einer hervorragenden Lage. Auf uns lastet kein Druck. Wir müssen jetzt genau so weiter machen. Nur so kann man mit solchen bitteren Niederlagen umgehen. Ich bin überzeugt davon, dass die Spieler zusammen mit dem Trainer das Spiel aufarbeiten und wir das Resultat schon im nächsten Spiel zu sehen bekommen. Es gibt aber überhaupt keinen Grund zur Sorge."

Wir sagen: Da hat der Herr Präsident Recht. Mit 29 Zählern bleibt RWW weiterhin neunter der Tabelle. Der Vorsprung auf die Verfolger auf den Plätzen dahinter ist zwar geschrumpft, aber dennoch ist die momentane Tabellensituation äußerst erfreulich. Im nächsten Spiel würde eine Wiedergutmachung einer Sensation gleich kommen. Rekordmeister SV München kommt in die RWW-Arena. Wir halten der Mannschaft weiter die Daumen. München ist der klare Favorit, aber RWW in dieser Verfassung kann auch die Münchner einmal zum Schwitzen bringen.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Beeindruckende Serie hält zwei weitere Spiele

RW Wiesbaden punktet in der Liga munter weiter vor sich hin. Aus den letzten zwei Spielen gab es ein Remis sowie einen überzeugenden Heimsieg. Damit ist die Mannschaft jetzt sechs Spiele in Folge unbesiegt. Die längste Serie von RWW überhaupt in der ersten Liga!

Zunächst stand am vergangenen Freitag das Spiel bei den Abstiegs bedrohten blau-weißen aus Karlsruhe an. Nach einer dramatischen Schlussphase trennte man sich 1:1 (0:0). Die Karlsruher hatten insgesamt betrachtet ein wenig mehr vom Spiel. Das überlegene Wiesbadener Mittelfeld verhinderte aber meist schlimmeres. So hingen die Angreifer der Gastgeber häufig gut bewacht in der Luft.

Insgesamt gab es auf beiden Seiten wenig Offensivaktionen. Erst Mitte der zweiten Hälfte gewann das Spiel ein wenig an Fahrt. Karlsruhes beste und einzige Chance vergab Atos Wäkpää, der an Abdelzaher Uada scheiterte. Auf der anderen Seite vergab Kapitän Emre Uluck eine gute Möglichkeit, als sein Schuss aus guter Position vorbei ging. In der 83. Minute schlug Karlsruhe dann doch zu. Eine weite Flanke wurde von der Gäste-Abwehr unterschätzt und segelte bis an den Fünfmeterraum, wo Wäkpää den Ball nur noch über die Linie drücken musste.

Jetzt probierte es rot-weiß zunehmend öfter mit der Brechstange. Immer wieder wurde aus dem Halbfeld hoch hineingeflankt. Die meisten Hereingaben waren leichte Beute für die blau-weiße Verteidigung, doch die Hessen steckten nicht auf. So wurde ein Flankenball von Sven Treu in der 90. Minute ebenfalls geklärt. Allerdings fiel der Ball dem Mittelfeldspieler wieder genau vor die Füße. Treu zögerte nicht lange, machte zwei Schritte nach rechts, zog aus der zweiten Reihe ab und traf zum 1:1 Endstand.

"Da haben wir wirklich noch mal Glück im Unglück gehabt. Ich musste ein wenig rotieren, das hat uns ein paar Schwierigkeiten bereitet. Karlsruhe hat gut gespielt, aber wir haben hinten dank unserer großartigen Überlegenheit im Mittelfeld nicht viel zugelassen und uns so immer noch die Chance auf ein Tor offen gehalten. Dann haben wir doch noch das späte Gegentor bekommen und auch ich habe schon mit einer Niederlage gerechnet. Die klasse Moral dieser Truppe hat sich am Ende dann einfach sehr bezahlt gemacht. Man merkt einfach, dass es läuft bei uns. Dann schießt man schon mal ein so spätes und wichtiges Tor", sagte Chefcoach Kevin_93 nach Spielende.

Auch Torschütze Sven Treu war froh über den späten Punktgewinn: "Manchmal muss man denke ich auch mal dreckig zum Erfolg kommen. Das haben wir heute gemacht. Wir konnten nicht unbedingt das abrufen, was wir bisher in der Rückrunde gespielt haben. Wir haben dafür mit viel Willen und Kampfkraft versucht, die spielerischen Nachteile auszugleichen. Am Ende hat uns die gute alte Brechstange doch noch den Ausgleich beschert. Mir fiel der Ball direkt vor die Füße. Ich habe eine Lücke in der Abwehr gesehen und dachte mir, wenn ich den voll treffe, könnte er vielleicht reingehen. So war es dann auch. Das macht einfach auch großes Selbstbewusstsein aus. Genau das haben momentan alle in der Mannschaft und deshalb ist in der Saison noch viel möglich."

am vergangenen Montag gab es dann den siebten Saisonsieg. Im Heimspiel gegen den SV Berlin siegte RWW mit 2:0 (1:0). Über 35.000 Zuschauer feierten das Team in der RWW-Arena ausgelassen.

RWW spielte im unerwarteten 3-6-1 System. Wie schon einmal geschehen wollte man den Gegner mit diesem System überraschen. Das gelang auch sehr gut. Die Berliner spielten zwar in einem offensiven 3-4-3, waren jedoch offensiv von Anfang an fast ungefährlich. Schuld war erneut die Unterlegenheit im Mittelfeld.

Abgesehen davon agierte die Heimelf auch insgesamt viel sicherer. Der Ball lief gut durch die eigenen Reihen und man hatte schnell ein Übergewicht erarbeitet. Berlin hingegen wurde zu vielen leichten Fehlern gezwungen. Schon in der achten Spielminute ging RWW in Führung. Emre Ulucks Freistoß kam gut in den 16er, in der Mitte tauchte plötzlich Sergio Acosta auf und köpfte den Ball mit Hilfe des Innenpfostens hinein ins Tor.

Jetzt ließ es rot-weiß gemütlich angehen. Die Wiesbadener machten das Spiel, ohne allerdings große Gefahr auszustrahlen. Die Gäste waren bemüht und versuchten stets eine Antwort zu finden. Meist wurden die Vorstöße aber schon viel zu früh  unterbunden. RWW hatte das Spiel bis zur Pause gut im Griff.

Auch in der zweiten Halbzeit geriet der Vorsprung nie in Gefahr. Berlin verstärkte seinen Druck, doch es lief insgesamt nicht viel bei den Hauptstädtern. Bei weiten Bällen oder Flanken war Abdelzaher Uada immer aufmerksam zur Stelle. Auf der anderen Seite wollte die Heimelf das 2:0. Nach einem schönen Zuspiel vom weltklasse auftretenden Sergio Acosta hatte Rainer Hofer im Strafraum freie Bahn, doch sein flacher Versuch ging haarscharf links vorbei (63.).

Andere schnelle Konter wurden nicht immer gut zu Ende geführt. Zwei Mal wurde Torjäger Michael Dessel gut freigespielt. Er suchte allerdings stets den besser postierten Mitspieler und die Möglichkeit war dahin.

In der 90. Minute hatte er jedoch großen Anteil am 2:0. Maciej Jachenko blockte einen Berliner Angreifer im 16er robust ab, und passte steil nach rechts außen in den Lauf von Arno Hinzmann. Der spielte die Linie entlang auf Emre Uluck, der Kapitän wechselte die Seite zu Rainer Hofer, der spielte mit der Hacke zurück in die Zentrale zu Sergio Acosta. Der Chilene sah Khalid Maduni am 16er und setzte ihn mit einem Lopp-Pass toll ein. Er war halblinks durch, legte noch einmal ab zu Michael Dessel. Der Schweizer gab den Ball jedoch wieder an Maduni zurück und der vollendete trocken zum 2:0.


Der Mann des Spiels, Sergio Acosta, sagte: "Das war heute wieder eine starke Leistung von uns. Wir haben besser gespielt als in Karlsruhe. Vor allem haben wir Berlin unser Spiel aufgezwungen und uns nicht hinten reindrängen lassen. Beim ersten Tor wollten wir Berlin verwirren, deshalb stand ich im Strafraum und habe nicht selbst geschossen. Dass der Ball dann zu mir kommt, hätte ich nicht erwartet. Heute hat man bei mir denke ich gesehen, wie einfach Fußball sein kann, wenn man einen Lauf hat. Das wäre aber alles nicht möglich, wenn wir nicht so ein tolles Team hätten.

Khalid Maduni erzielte sein erstes Ligator für RWW und meinte: "Es ist, als würde ich träumen! Erst bekomme ich eine Vertragsverlängerung und dann mache ich heute ein Tor. Wir haben uns heute von der Euphorie der Fans mitziehen lassen. Jeder von uns wollte dieses Spiel gewinnen und den Zuschauern etwas bieten. Ich habe im Strafraum noch Michael gesehen und er stand besser. Er wollte aber, dass ich das Tor mache und hat mich wieder angespielt. Das erlebt man bestimmt nicht in jeder Mannschaft. Es wäre toll, wenn dieser schöne Traum noch lange weiter gehen würde."

So bleibt RWW mit jetzt 29 Punkten auf dem mehr als nur hervorragenden neunten Platz. Der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz beträgt jetzt schon satte 13 Punkte. Sogar auf den zehnten konnte man sich schon ein Polster von vier Punkten erspielen. Es ist wohl kaum nötig zu erwähnen, dass eine Wiesbadener Mannschaft noch nie in der ersten Liga nach 22 Spielen schon so viele Punkte auf dem Konto hatte. Das Team aus der hessischen Landeshauptstadt überbietet also regelmäßig die eigenen Vereinsrekorde.

Die nächste Möglichkeit, weiter zu punkten gibt es am kommenden Freitag. Die rot-weißen gastieren hier bei den Kickers aus Düsseldorf. Sie liegen zwar auf Rang 16, haben aber den Rückstand zum rettenden Ufer mit einer tollen Aufholjagt auf nur noch zwei Punkte schrumpfen lassen. "Mit einem Sieg gegen uns könnten sie die Abstiegsränge verlassen, Düsseldorf brennt auf dieses Spiel", weiß Ex-Düsseldorfer Armin Schwager. RWW hofft trotzdem, mit viel Selbstvertrauen den nächsten Erfolg feiern zu können.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

AFB-Pokal: Brisantes Duell beim Finalausrichter

RW Wiesbaden hat im AFB-Pokal das vermeintlich leichteste Los erwischt. Im Halbfinale geht es für die Männer rundum Torjäger Michael Dessel nach Spieltag 27 zum FC Duisburg. Im anderen Halbfinale stehen sich die SpVgg Gladbach und der 1.FC Stuttgart gegenüber.

"Das wird ein hartes Spiel, gar keine Frage", sagte Kapitän Emre Uluck. Sergio Acosta meinte: "Duisburg wird uns alles abverlangen. Sie wollen ins Finale zu Hause, das ist völlig klar. Wir wissen aber, wie wir gegen einen solchen Zweitligisten spielen müssen. Wir haben Hoffenheim abgefertigt und vor allem haben wir in Kiel bestanden. Wir nehmen diesen Gegner sehr Ernst, aber wir wissen auch, was wir können."

Trainer Kevin_93 verspührt schon ein leichtes Kribbeln: "Das sind die Spiele, die ich liebe. Alle wollen, dass wir verlieren und dann ist es am Ende umso schöner, wenn man es allen zeigen kann. Wir wollen in dieses Finale. Dieses Mal sind unsere Chancen größer als im letzten Jahr, man muss es einfach so sagen, ohne Duisburg jetzt schlechtreden zu wollen. Genau deshalb werden wir mit aller Macht versuchen, dieses Spiel zu gewinnen."

Gleich drei Spieler verlängern Verträge!


RW Wiesbaden hat die Verträge mit drei wichtigen Spielern verlängert. Abdelzaher Uada, Khalid Maduni und Emre Uluck unterschrieben neue Verträge bei den Hessen. Weitere Personalentscheidungen werden noch im laufe der Saison vom Verein getroffen werden.

Torhüter Abdelzaher Uada verlängerte seinen Kontrakt um drei weitere Jahre. „Es war uns sehr wichtig, mit Abdelzaher langfristig weiter zusammenzuarbeiten. Er spielt von Anfang an hier beim Verein. Er hat sich von einem talentierten Zweitligatorhüter zu einer festen Größe im Tor eines Erstligisten entwickelt. Bei ihm gibt es aber dennoch noch potential nach oben. Das wollen wir gemeinsam noch mit ihm erreichen“, sagte Trainer und Manager Kevin_93.

Auch Abdelzaher Uada zeigte sich zu Frieden, blickte zurück, aber auch nach vorn: „Ich habe dem Verein hier sehr viel zu verdanken. Bei Wiesbaden habe ich als ganz junger Spieler angefangen. Schnell habe ich das Vertrauen bekommen, obwohl ich mich noch mitten in der Entwicklung befunden habe. Anfangs wäre für den Verein vielleicht ein erfahrenerer Rückhalt im Tor gut gewesen, aber ich habe mich Dank des in mich investierten Vertrauens immer mehr gesteigert. Jetzt zahle ich dem Verein dieses Vertrauen zurück. Das möchte ich auch noch mindestens drei weitere Jahre tun. Wir werden immer besser, wenn ein Gerüst von Spielern jetzt so zusammen bleibt, kann es in den kommenden Jahren noch weiter nach oben gehen.“

Ebenfalls drei weitere Jahre bleibt Khalid Maduni dem Verein treu. „Khalid haben wir auch als hoffnungsvolles Talent zu uns geholt. Er hat gleich in der ersten Saison einige Einsätze bekommen und dort öfter sein Können aufblitzen lassen. Jetzt ist er teil der Stammformation. Auch er soll sich hier noch weiterentwickeln. Aus ihm kann ein ganz großer mit Potential zum Führungsspieler werden“, hieß es von Präsident Erik Hausschild.

Maduni selbst ist überglücklich über den neuen Vertrag: „Ich freue mich, dass ich hier bleiben kann, sehr gerne habe ich meinen Vertrag verlängert. Ich bin als recht unerfahrener Spieler in ein fremdes Land gekommen und musste mich erst einmal zu Recht finden. Die Mannschaft hat mich aber toll aufgenommen und mir wurde immer geholfen. Die Bedingungen, um selber besser zu werden waren ebenfalls sehr gut. Ich habe immer alles gegeben und jetzt habe ich mein erstes Ziel erreicht. Ich bin Stammspieler geworden. Aber ich will noch mehr. Hier habe ich die Zeit, um mich zu entwickeln und gleichzeitig habe ich meine Rolle im Team gefunden. Es wäre die falsche Entscheidung gewesen, jetzt hier wegzugehen.“

Auch Kapitän Emre Uluck bleibt RWW noch zwei weitere Jahre treu. „Emre Uluck ist RW Wiesbaden, das muss man klar so sagen. Er kam zur zweiten Saison hier nach Wiesbaden und hat sich von Anfang an perfekt mit dem Verein identifizieren können. Nur zwei Jahre später war er Kapitän, weil er eine unglaubliche Präsenz auf dem Platz hat. All seine Fähigkeiten hat er Jahr für Jahr immer weiter komplettiert. Ihn verbinde ich mit purem Durchsetzungsvermögen. Auch solche Typen brauchen wir hier. Die Mannschaft hat sich in den vergangenen Jahren so gut entwickelt. Daran soll er als ein Stützpfeiler weiter Teil haben“, sagte ein stolzer Manager.

Emre Uluck kam bei seinem Interview zur Vertragsverlängerung ebenfalls ins Schwärmen: „Der Trainer hat Recht, wenn er sagt, dass ich RW Wiesbaden bin. RWW ist mein Leben. Ich habe hier mein zu Hause gefunden. Der Verein und ich haben so viel gemeinsam erlebt. Viele sind gekommen, viele sind gegangen, aber ich bin immer noch hier. Ich bin kein einfacher Mensch, vor allem nicht auf dem Platz. Hier wird das aber akzeptiert und genau deshalb werde ich hier nicht weggehen. Sicher rückt eine Zeit näher, wo man darüber nachdenkt, wann man vielleicht aufhören könnte. Aber erst einmal bleibe ich hier so lange, bis meine Knochen kaputt sind oder man mich vom Hof jagt. Wir haben etwas Großes angefangen und ich will weiter ein Teil davon sein.“

Zum Schluss sagte Kevin_93 noch etwas dazu, wie er sich die Zukunft nach aktuellem Stand vorstellt: „Man sieht es aktuell: Diese Mannschaft ist so stark wie noch nie zuvor. Da ist aber noch Luft nach oben. Genau das möchte ich in den kommenden Jahren beweisen. Es wird Änderungen am Kader im Sommer geben, wir müssen die Mannschaft weiter verjüngen. Es gibt aber Stützen, mit denen ich auf jeden Fall weiterarbeiten möchte. Dazu gehören Abdelzaher Uada und Khalid Maduni, dazu gehört auch ein Emre Uluck. Dazu gehören ein Tobias Glaser, ein Rainer Hofer und noch einige andere mehr. Auf Dauer möchte ich eine Mannschaft hier zusammen stellen, die Qualität hat, die aber auch noch weiteres Potential hat und die in der Lage ist, einige Jahre ohne große Veränderungen so zusammenzuspielen. Dafür waren die bisherigen Vertragsverlängerungen sehr wichtig. Eine Platzierung, wie sie momentan in der Liga möglich erscheint und weitere Erfolge im Pokal würden es natürlich auch Möglich machen, weitere große Spielertransfers zu realisieren, die den Verein noch weiter nach vorne bringen würden. Ich möchte deshalb noch einmal an die Mannschaft appellieren: Das war es noch nicht, es geht noch viel mehr diese Saison. Wenn mein Plan weiter so aufgeht, dann können wir in ein paar Jahren weiter oben angreifen!“

Montag, 22. Oktober 2012

nächster klasse Auftritt bringt Topteam zu Fall



Nach dem Kräfte zehrenden Pokal-Fight in Kiel nahm Trainer und Manager Kevin_93 ein paar Änderungen vor. Arno Hinzmann, Niels Thomasson, Emre Uluck sowie Rainer Hofer saßen nur auf der Bank. „Wir haben noch einige Spiele vor uns, vor allem mit der Doppelbelastung im Pokal. Da müssen wir auch mal rotieren und wichtigen Spielern eine Pause gönnen“, sagte er. So spielte RWW in einem 3-5-2 System. Leverkusen setzte in der Fremde mit einem 4-3-3 voll auf Angriff.

Diese Einstellung wurde auch gleich deutlich. Leverkusen machte viel Druck in der Anfangsphase. Viele Flanken wurden in den Wiesbadener Strafraum geschlagen, doch entweder ein Abwehrspieler klärte souverän oder Abdelzaher Uada hatte in seinem 16er alles im Griff. RWW spielte zunächst abwartend. Zu passiv waren die Gastgeber allerdings nicht.

In der neunten Minute wurde zum ersten Mal im eigenen Stadion gekontert und schon schlug es hinter Leverkusens Torhüter ein. Tobias Glaser lief einmal über das halbe Feld, bediente Sergio Acosta mit einem guten Zuspiel, der Spielmacher zog auf rechts zwei Gegenspieler auf sich, flankte gefühlvoll in den 16er und Michael Dessel nickte ein zum 1:0. Schon jetzt waren die über 35.000 Zuschauer in der RWW-Arena aus dem Häuschen. Leverkusen versuchte es im Anschluss weiter mit druckvollem Offensivspiel. Im Mittelfeld waren sie jedoch immer wieder in der Unterzahl. Viele Zuspiele in die Spitze konnten oftmals schon früh verhindert werden. Dennoch lief der Ball gut in den Reihen der Rheinländer.

Wiesbaden stand weiterhin kompakt, doch jetzt griffen sie den Gegner schon früher an. Es entwickelte sich ein schnelles Spiel auf hohem Niveau. Leverkusen brauchte 23 Minuten, um sich eine erste Torchance zu erspielen. Der starke William Goodson, der immer gegen Wiesbaden in Höchstform ist, ließ zwei Gegenspieler alt aussehen, war im Strafraum links durch, fand mit seinem Rückpass Hugo Gordillo, doch der Angreifer scheiterte mit seinem abgefälschten Schuss an Abdelzaher Uada.

Auf der anderen Seite stand die Abwehr der Union alles andere als gut. Bei einem weiteren schnellen Vorstoß bekam rot-weiß seine zweite gute Gelegenheit. Dieses Mal spielte Khalid Maduni einen überragenden Steilpass auf Sergio Acosta, der lief  alleine halbrechts durch, versuchte es aus spitzem Winkel, doch der Ball landete am Außennetz (32.). Bis zur Pause blieb das Spiel rasant. Auf der einen Seite verhinderten zwei Abseitspositionen weitere gute Tormöglichkeiten für Tobias Glaser und Maurice Bergougnoux. Im anderen Strafraum rannten sich Makoto Dongbang und Maxime Almond nach einer perfekten Flanke gegenseitig über den Haufen, so dass es zu keiner guten Chance kommen konnte.

Noch spielfreudiger und entschlossener zeigte sich Leverkusen nach Wideranpfiff. Zwei Mal segelten Gäste-Angreifer noch hauchdünn an Flanken vorbei. Beim dritten guten Angriff fiel das 1:1. Finidi N'Guema sah den durchstartenden William Goodson, lupfte ihm den Ball direkt in den Lauf und der Mittelfeldmann traf nach tollem Dribbling mit einem schönen Schlenzer zum Ausgleich (51.).

Eigentlich hätte die Union jetzt die Kontrolle gänzlich übernehmen müssen, doch stattdessen schalteten sie einen Gang zurück. Sie probierten es nicht mehr mit solcher Intensität wie in den ersten Minuten des zweiten Durchgangs. Sie wollten den Ball durch die eigenen Reihen laufen lassen und sich so irgendwann das zweite Tor erspielen. Doch da machten die Wiesbadener nicht mit. Mit ihrem Gezaubere weckte Leverkusen den unbendigen Kampfgeist des Gegners wieder voll auf.

So verlor die Mannschaft von Trainer Grifer allmählich wieder die Kontrolle. Jetzt erzwang sich Wiesbaden ein leichtes Übergewicht. Defensiv standen sie gut und auch offensiv konnten sie die gegenüber stehende Verteidigung immer wieder vor große Probleme bringen. Wie Ernst es ihnen war zeigte Tobias Glaser. Er hatte die erneute Führung nach einer Flanke von Bertrand Toutrot auf dem Fuß, doch er jagte den Ball knapp drüber (64.).

Nur sieben Minuten danach fiel das so wichtige zweite Tor. Sven Treu fing einen Leverkusener Konterversuch schon im Mittelkreis ab. Jetzt lief der Ball über Khalid Maduni zu Sergio Acosta auf rechts, der fand den etwas zurück hängenden Michael Dessel vor dem Strafraum. Der Goalgetter nahm Tempo auf, wich ein Stück nach links aus, überlief einen Gegenspieler, hätte selbst schießen können, doch er spielte noch einmal ab zu Maurice Bergougnoux. Der zweite Stürmer bekam den Ball genau auf den Fuß serviert und schoss aus sechs Metern flach ein. Leverkusens Torhüter war noch am Ball, doch ihm rutschte das Leder durch die Hände.

Zum zweiten Mal bebte das Stadion. Wieder einmal hatte RWW die Chance zum Sieg gegen Leverkusen. Die setzten jetzt natürlich noch einmal alles auf eine Karte. Sie stürmten nach vorne. Zunächst schnürten sie die Heimelf in der eigenen Hälfte ein. Maxime Almond bekam in der 80. Minute die Gelegenheit zum 2:2. Ruut van Gaal setzte sich gegen drei Gegenspieler durch, steckte den Ball dann noch stark durch zum völlig freistehenden Angreifer, doch er schob den Ball genau in die Tormitte, wo Abdelzaher Uada zupackte.

Durch diese vergebene Chance wurden die Angriffe der Gäste-Mannschaft immer verzweifelter und unstrukturierter. RWW gewann jetzt wieder ein wenig Kontrolle zurück. Sie schafften es allerdings nicht, durch einen Konter das Spiel zu entscheiden. So musste man bis in die 93. Minute zittern. Erst dann pfiff der Schiedsrichter ab und verwandelte die Arena in ein Tollhaus.


Natürlich darf der Dauergast bei den Interviews, Torschütze Michael Dessel auch heute nicht fehlen: „Das ist schon geil, was da gerade abläuft. Jeder will hier in der Mannschaft jedes Spiel gewinnen. So ein tolles Team mit so viel Moral und Engagement gab es hier noch nie. Hier lässt sich keiner hängen. Obwohl wir rotiert haben merkt man den Unterschied nicht. Diese Leistung ist fast noch höher einzuschätzen als die Siege zuvor. Leverkusen hätte heute jede andere Mannschaft mit Sicherheit abschießen können, aber wenn man andererseits dann hinten so offen ist, braucht man sich nicht wundern, wenn man die Quittung dafür bekommt. Unsere beiden Tore fielen zur richtigen Zeit. Am Ende haben wir noch zittern müssen, aber das ist gegen eine Mannschaft mit so vielen klasse Fußballern normal. Aber wir haben diese Mannschaft geschlagen. Jetzt schauen wir, was noch möglich ist, ich habe jedenfalls noch nicht genug.“

Auch der zweite Torschütze Maurice Bergougnoux kam heute zu Wort: „Ich habe die gesamten 90 Minuten genossen. Wenn man als Mannschaft so funktioniert, dann ist vieles Einfach. Bei meinem Tor habe ich einfach eine perfekte Vorarbeit bekommen. In den restlichen 90 Minuten habe ich versucht, alles für die Mannschaft zu geben. Für mich war mein Tor heute sehr wichtig. Ich habe länger nicht getroffen und dann tut das einfach nur gut.“

Das Schlusswort hat selbstverständlich Präsident Erik Hausschild: „Das ist ein Traum, was die Mannschaft da in letzter Zeit spielt. Da kann man nur Beifall klatschen. Da merkt man auch, dass das Team über eine Saison reifer wird. Es gab Momente, wo man nach dem Ausgleichstreffer auseinander gefallen ist. Jetzt machen die Spieler weiter und genau so muss man es auch machen. Ich bin momentan einfach nur begeistert und zu Frieden. Es muss gar nicht so weiter gehen, die Saison ist jetzt schon ein voller Erfolg. Ich bin aber überzeugt davon, dass uns die Mannschaft noch oft in dieser Saison positiv überraschen kann.“

Nach diesem Spielrückblick der eher emotionalen Seite folgen jetzt die Fakten. In der Tabelle steht RWW jetzt mit 25 Zählern auf dem neunten Platz. Inzwischen sind es zwölf Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. So viele Punkte hatte die Mannschaft noch nie zu dieser Zeit. Ebenso starteten die Hessen auch nie mit drei Siegen in die Rückrunde. Selbst in der Aufstiegs-Saison in Liga Zwei gelang das nicht. Das alles ist bezeichnend für den momentanen erfolg, von dem keiner weiß, woher er kommt.

Die Chance, diese Serie auszubauen gibt es am kommenden Freitag. Am 21. Ligaspieltag tritt rot-weiß bei BW Karlsruhe an. Der Aufsteiger kämpft gegen den Abstieg und braucht die Punkte dringend. Bei RWW herrscht nach den letzten furiosen Wochen alles andere als großer Druck. „Die Jungs sollen einfach nur rausgehen und Fußball spielen, es läuft doch alles wie am Schnürchen. Warum sich da Druck oder andere negative Gedanken machen?“ Das sind weise Worte des Präsidenten. Wir würden uns freuen, wenn sie die Mannschaft befolgen könnte und wir schon bald wieder von einem Erfolg berichten könnten.